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Bestimmung des Θ13-Mischungswinkels
CHOOZ-far Detektor im CHOOZ Untergrundlabor Mit verschiedenen Experimenten sind vor allem in den letzten zehn Jahren große Fortschritte auf dem Gebiet der Neutrinophysik gemacht worden (→ Nobelpreise 2002). Es gilt mittlerweile als erwiesen, daß Neutrinos massebehaftete Teilchen sind und die verschiedenen Flavorzustände mischen können. Aus den Daten der solaren Experimente ist eine Bestimmung von Θ12 mit hoher Genauigkeit möglich, aus atmosphärischen Daten dagegen der Θ23–Mischungswinkel. Zusammen mit den Quadraten der Massendifferenzen Δm²sol und Δm²atm kann die Mischungsmatrix der Neutrinos fast komplett angegeben werden. Allerdings ist der Winkel Θ13, der die Stärke des Übergangs νe → ντ beschreibt, nur mit der relativ groben Obergrenze &Theta13 < 0.1 aus dem CHOOZ-Experiment bekannt. Double Chooz ProjektSeit Ende 2002 arbeiten Gruppen aus mehreren europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland und Rußland) ein Konzept aus zur Messung oder Beschränkung des verbliebenen unbestimmten Mischungswinkel &Theta13 in einem Reaktorexperiment: das Double Chooz Projekt.Im Jahr 2003 wurden verschiedene mögliche Orte für ein Reaktorneutrinoexperiment mit zwei Detektoren begutachtet und drei Stätten in Frankreich als geeignet erachtet: Penly in der Normandie, Cruas in der Ardèche und Chooz in den Ardennen. Aufgrund der bereits existierenden Infrastruktur (Chooz-I) und der Unterstützung durch das Kraftwerkspersonal der EDF (Electricité De France) bietet Chooz die besten Voraussetzungen für ein Experiment. DetektorkonzeptDas Double Chooz Projekt wird zwei identische Detektoren mit je etwa 10 bis 20 t Flüssigszintillator als Target betreiben. Da das Neutrinolabor des ersten Chooz-Experiments noch existiert, können Kosten und Bauzeit reduziert werden. In diesem Labor, das etwa 1.05 km von den zwei Reaktorkernen (Druckwasserreaktoren, 8.4 GW thermische Leistung) entfernt ist und sich in einem Tunnel, der von etwa 300 mwe Fels abgeschirmt ist, befindet, soll der «te;far detector»te; (CHOOZ-far) eingerichtet werden. Nach derzeitiger Planung soll CHOOZ-far im Januar 2007 die ersten Neutrinos im regulären Betrieb detektieren. Zur Reduzierung systematischer Unsicherheiten in den nur schwer zu bestimmenden Daten des Kernreaktors (Anti–&nue Fluß und Spektrum), aber auch im Detektor selbst sowie in der Ereignisauswahl, wird ein zweiter Detektor nur etwa 100-200 m entfernt von den Reaktorkernen installiert (CHOOZ-near. Um zumindest eine geringe Abschirmung gegen die kosmische Höhenstrahlung zu erreichen, muß ein künstlicher Berg von einigen zehn Metern aufgeschüttet werden. Nach ersten Diskussionen wurde diese Konstruktion vom Kraftwerksbetreiber genehmigt. Ende 2003 wurde eine Studie für CHOOZ-near durchgeführt, die die Kombination Ort(Entfernung)–Abschirmung–Kosten optimieren soll. Simulationen haben ergeben, daß ein neues CHOOZ-Experiment nach drei Jahren Meßzeit eine Sensitivität von sin²2Θ13 < 0.03 (90% C.L.) für Δm²atm = 2.0 ⋅ 10-3 eV² (neuester best-fit Wert der SuperKamiokande Collaboration) erreichen würde. Nach nur einem Jahr Meßzeit im Zwei-Detektor-Betrieb würde eine Sensitivität von 0.05 erreicht, was eine Verbesserung der CHOOZ-Obergrenze um fast einen Faktor 5 bedeutet. Diese Angaben basieren auf Annahmen, daß der relative Normierungsfehler zwischen CHOOZ-near und -far bei maximal 0.8% liegt und daß der Untergrund in beiden Detektoren weniger als 1% des Antineutrinosignals beträgt. Als Randnotiz bleibt zu bemerken, daß die mittlere baseline zwischen Reaktorkern und CHOOZ-far (1.05 km) für den derzeitigen Wert Δm²atm = 2.0 ⋅ 10-3 eV² für Antineutrinos mit wenigen MeV Energie ein wenig zu kurz ist und deshalb das erste Maximum der Oszillation nicht vollständig genutzt werden kann. Mit höherer Statistik kann dies jedoch ausgeglichen werden. Setzt man dagegen Δm²atm < 1.3 ⋅ 10-3 eV² (entsprechend nahe an der unteren Grenze des 90%-Vertrauensintervalls), kann man das absolute Potential des Double-CHOOZ Experiments ausschöpfen.
Der neue CHOOZ-DetektortypDas Detektordesign soll voraussichtlich eine Weiterentwicklung des CHOOZ-I Experiments sein. Der target-Tank wird mit 120 cm Radius und 280 cm Höhe, entsprechend einem Volumen von 14 m³, etwa 2.5 mal größer sein als CHOOZ-I. Damit wird es möglich sein, mehr als 40.000 Antineutrinoereignisse zu erhalten, was umgerechnet einer statistischen Unsicherheit von weniger als 0.5% entspricht. Zudem wird die Effizienz höher sein, da die Reaktorauslastung bei etwa 80% liegt, wohingegen sie während CHOOZ-I weitaus niedriger war, da die Inbetriebnahme des Kraftwerks z.T. erst erfolgte.
Durch Minimierung des Untergrundes wird ein Signal/Rauschen-Verhältnis von
100 erreicht werden (CHOOZ-I: 30). Beide Detektoren werden in den wichtigen
(inneren) Komponenten identisch aufgebaut, was zur Reduzierung des
angesprochenen relativen Normierungsfehlers auf weniger als 0.8%
beiträgt. Das Detektordesign wurde intensiv in Monte-Carlo-Simulationen überprüft, indem ein von CHOOZ-I abgeleiteter und weiterentwickelter Code verwendet wurde. Im alten Aufbau wurde eine einen Meter dicke Schicht aus Sand mit niedriger Aktivität als Schild gegen äußere Radioaktivität verwendet; dies wird ersetzt durch eine 15 cm starke Stahlabschirmung. Damit kann das Flüssigkeitsvolumen (aktiver Puffer) deutlich erhöht werden. Vom Zentrum des Detektors gestaltet sich der Aufbau wie folgt:
Durch die nicht szintillierende Pufferschicht wird die Signalrate (je Detektor) gegenüber CHOOZ-I um etwa zwei Größenordnungen reduziert werden. Dadurch kann die Energieschwelle für Positronen auf 500 keV gesenkt werden, was weit unterhalb der physikalischen Schwelle von 1 MeV für den inversen Betazerfall liegt.
Eine möglichst niedrige Schwelle hat drei Vorteile: I) der systematische
Fehler aufgrund der Schwelle selbst wird verkleinert, II) der Untergrund
unterhalb der Schwelle kann gemessen werden, und
III) die beiden Anfangspunkte der Positronenspektren ergeben eine
zusätzliche Möglichkeit zur Kalibrierung. Die reduzierte Anzahl von
Einzelereignissen erlaubt schwächere cuts auf den Ort, z.B. die
Entfernung zur Photomultiplier-Oberflä oder den Abstand zwischen
Positron und Neutron. Beides ist nicht einfach zu kalibrieren (siehe CHOOZ-I) und sollte
deshalb vermieden werden. In den Kalibrierungen ist die
Selektion der Energien der verzögerten Neutronen nach ihrem Einfang am
Gd Kern, wobei im Mittel 8 MeV in Gammas freiwerden, am wichtigsten. Dabei
ist die Anforderung von 50-100 keV Präzision (zwischen beiden
Detektoren) mit Standardtechnologien, d. h. Verwendung von Lasern und
radioaktiven Quellen an verschiedenen Positionen, möglich.
UntergrundIn CHOOZ-I wurden natürlich schon Untergrundmessungen durchgeführt, die etwa ein Signal pro Tag ergaben.Da der aktive Puffer in CHOOZ-far bei gleichem Raumwinkel für Ereignisse aus dem Inneren auf das Doppelte vergrößert wird, das Signal aber um das 2.5fache erhöht wird, kann das erstrebte Ziel von S/N > 100 erreicht werden. Aufgrund der geringeren Abschirmung in CHOOZ-near wird der Untergrund durch kosmische Strahlung wichtig. Eine Abschätzung ergibt für einen Detektor in einer Entfernung von 150 Metern vom Reaktorkern unter 55-65 mwe Abschirmung eine Rate von 5000 Signalen pro Tag, wohingegen die erwartete Myonrate etwa einen Faktor zehn geringer ist. Daher wird nach jedem Myonereignis eine Totzeit von 500 μs geschaltet, was zu einer totalen Totzeit von etwa 25% führt. Damit erreicht man etwa 20 Rückstoßprotonen pro Tag, die ein Antineutrinosignal imitieren können, und etwa 15 Myon-induzierte kosmogene 9Li und 8He Ereignisse, wobei letztere noch mit großen Unsicherheiten verbunden sind, was jedoch zur Zeit untersucht wird. Insgesamt kann damit auch in CHOOZ-near die Bedingung S/N > 100 erfüllt werden. Ausblick und Perspektiven
Ein neues, erweitertes Reaktorneutrinoexperiment an der Stelle des
CHOOZ-Experiments hat das Potential, eine Sensitivität von
sin²2Θ13 < 0.03 (90% C.L.) für den
derzeit besten Wert von
Δm²atm = 2.0⋅10-3 eV²
nach drei Jahren Betrieb zu erreichen.
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