Physikalisches Praktikum I+II

Dass ich vom Wesen der Physik gar nichts verstanden hatte, merkte ich, als ich in Tübingen die ersten Vorlesungen hörte und vor allem die ersten Versuche im Praktikum machte. Auf dem Gymnasium gab es ein Schülerpraktikum nicht, gelegentlich musste oder durfte man Prof. Bücheler etwas halten, wenn ein altertümliches Apparätchen mit Schnur oder Siegellack repariert werden musste (einen Lötkolben hatte ich sicher nicht kennen gelernt).
Die ersten Versuche des Universitätspraktikums waren für mich ganz große, tief mich ergreifende Erlebnisse; sie waren bestimmend für mein Leben, schon für den Wechsel von Mathematik und Philosophie zu Physik. Ich kann mir nicht denken, dass ein mit den Apparaten der heutigen Lehrmittelindustrie ausgestattetes Schulpraktikum auch nur angenähert dieses Erlebnis vermitteln kann. ...

Walther Gerlach (1889 - 1979), studierte (ab 1908), promovierte (1912) und habilitierte sich (1916) in Tübingen und hatte von 1925-1929 den Lehrstuhl für Physik am Physikalischen Institut Tübingen inne. Bekannt geworden ist er durch den Stern-Gerlach-Versuch, dem Nachweis der Richtungsquantelung des magnetischen Moments. Otto Stern erhielt dafür 1943 den Nobelpreis für Physik.